Vom Reagieren zum Agieren: Die 4 A’s für meinen Theater-Alltag

Anticipation

Vorwegnahme zukünftiger Bedürfnisse, Trends und Möglichkeiten.

Articulation

Vermittlung dieser Bedürfnisse für ein kollektives Verständnis.

Adaptation

Kontinuierliches Lernen und Anpassen.

Accountability

Transparenz bei Entscheidungen und Offenheit für Feedback.

Vor gut zwei Wochen habe ich hier bereits über „Adaptive Leadership“ geschrieben und eine Leseempfehlung gegeben. Die Leseempfehlung bleibt bestehen!

Für alle, die den Originaltext lesen möchten: „5 Principles to Guide Adaptive Leadership“ by Ben Ramalingam et. al.

Letztes Mal ging es darum, warum wir im Kulturbetrieb aufhören müssen, das Unvorhersehbare dogmatisch durchplanen zu wollen und heute möchte ich das Ganze noch ein bisschen greifbarer machen und allen Leserinnen und Lesern ein weiteres Werkzeug aus demselben HBR-Artikel mitgeben: Die „4 A’s“! Es geht um einen kompakten Leitfaden, mit dem wir in Krisen oder bei ständiger Unsicherheit handlungsfähig bleiben können.

Natürlich möchte ich als eingefleischter Theatermensch das sofort auf meinen Alltag übertragen, also den Theateralltag!

  1. Anticipation (Vorausschau)
    Anstatt nur von Premiere zu Premiere zu hetzen oder eine Umbesetzung nach der nächsten durchzuboxen, sollte der Blick über den Tellerrand gehen. Es geht darum, wahrscheinliche zukünftige Bedürfnisse, Trends und Optionen vorwegzunehmen. Zum Beispiel: Was bewegt unser Publikum in der nächsten Spielzeit? Was im nächsten Monat? Welche Fördermittel könnten uns mittelfristig wegbrechen? Wer antizipiert, hat bereits Handlungsoptionen im Kopf.
  2. Articulation (Vermittlung)
    Wenn wir eine Ahnung davon haben, wohin die Reise geht, nützt das nichts, wenn dieses Wissen in der Intendanz oder im künstlerischen Betriebsbüro verborgen bleibt. Eine klare Kommunikation von Bedürfnissen hilft, ein gemeinsames Verständnis, aber auch Unterstützung für unser Handeln, aufzubauen. Vom Ensemble über die Dramaturgie bis zur Technik: Alle müssen verstehen, warum bestimmte künstlerische oder strukturelle Wege eingeschlagen werden.
  3. Adaptation (Anpassung)
    Darum ging es bereits recht ausführlich im letzten Beitrag (dafür hier klicken). Pläne sind wichtig, aber wir brauchen kontinuierliches Lernen und die Anpassung unserer Reaktionen, wenn es notwendig ist. Wenn ein neues Format beim Publikum nicht gut ankommt oder Probenprozesse nicht gut laufen, dürfen wir nicht stur am Plan festhalten. Wir müssen flexibel justieren.
  4. Accountability (Verantwortlichkeit & Transparenz)
    Für mich der vielleicht wichtigste Punkt in zum Teil eher traditionell geprägten Theaterstrukturen: Es geht um größtmögliche Transparenz in Entscheidungsprozessen und Offenheit für Herausforderungen und Feedback. Ein hierarchisches „Basta“ von oben bringt uns nicht weiter. Echte Führung übernimmt Verantwortung, erklärt Entscheidungen offen und hat den Mut, Rückmeldungen aus allen Abteilungen ernst zu nehmen.
So das sind die 4 A’s. Vielleicht schreibe ich mir einfach vier Post-Its und hänge sie mir ins Büro. Ich glaube, der gute Vorsatz kann sich lohnen.

Quelle

Ramalingam, B., Nabarro, D., Oqubay, A., Carnall, R., & Wild, L. (2020, 11. September). 5 principles to guide adaptive leadership. Harvard Business Review. https://hbr.org/2020/09/5-principles-to-guide-adaptive-leadership